Laktatstufentest: Protokoll, Stufendauer und Abbruchkriterien
Ein Laktatstufentest erfasst Messwerte unter stufenweise steigender Belastung. Einstiegsbelastung, Stufenhöhe, Dauer und Probenahme beeinflussen das Ergebnis und müssen dokumentiert werden. Das Protokoll muss zur Fragestellung und Belastbarkeit passen.
Was der Test misst — und was nicht
Der Stufentest bildet ab, wie die Laktatkonzentration im Blut auf steigende Belastung reagiert. Solange Bildung und Abbau sich die Waage halten, bleibt der Wert niedrig; ab einem individuellen Übergangsbereich steigt er überproportional. Aus diesem Verlauf werden Schwellen und daraus Trainingsbereiche abgeleitet.
Nicht gemessen wird die Leistungsfähigkeit als Ganzes. Der Test sagt nichts über Kraft, Technik, Wettkampftaktik oder Verletzungsrisiko, und er ist keine medizinische Untersuchung. Eine sportmedizinische Abklärung vor Belastungstests ist eine eigene, davon getrennte Sache.
Stufendauer: drei oder fünf Minuten
Die Stufendauer beeinflusst die Laktatantwort und damit die berechneten Schwellen2. Kürzere und längere Stufen sind nicht ohne Weiteres vergleichbar; kürzere Stufen verschieben die berechneten Schwellen tendenziell zu höheren Werten1, Ausmaß und Richtung hängen aber vom konkreten Test ab.
Drei- und fünfminütige Stufen kommen in der Praxis vor. Welche Dauer geeignet ist, richtet sich nach Fragestellung, Person und Verfahren. Ein begründeter Wechsel ist möglich, muss aber bei Verlaufsvergleichen berücksichtigt werden.
Dasselbe gilt für die Frage, ob zwischen den Stufen eine kurze Pause zur Blutabnahme liegt. Auch das ist eine Protokolleigenschaft, die konstant bleiben muss und in den Befund gehört.
Die Stufendauer ist Teil des dokumentierten Testprotokolls. Änderungen brauchen eine fachliche Begründung.
Einstiegsbelastung und Belastungssprung
Der Einstieg soll deutlich unterhalb des erwarteten Übergangsbereichs liegen, damit der flache Teil der Kurve überhaupt abgebildet wird. Startet der Test zu hoch, fehlen die unteren Punkte — und genau sie tragen bei mehreren Auswertungsverfahren die Konstruktion. Geometrische Modelle reagieren darauf besonders empfindlich: Modified D-Max setzt die Sekante deshalb erst an der Stufe vor dem ersten deutlichen Laktatanstieg an und hängt dadurch weniger vom ersten Messpunkt ab als D-Max.
Der Belastungssprung bestimmt die Auflösung. Große Sprünge verkürzen den Test, lassen den Übergangsbereich aber unter Umständen zwischen zwei Stufen verschwinden — das Auswertungsverfahren interpoliert dann in eine Lücke. In der Praxis kommen beim Radergometer häufig Sprünge im Bereich von 20 bis 40 Watt vor, beim Laufbandtest häufig 1 bis 2 km/h je Stufe; welche Schrittweite passt, hängt von Leistungsniveau und Sportart ab und ist keine allgemeingültige Norm.
Die nötige Zahl gültiger Stufen ist modellabhängig. Neben der Anzahl zählen die Verteilung der Messpunkte und die erfassten Belastungsbereiche. Eine fixe Mindestzahl garantiert keine belastbare Schwelle.
Probenahme und typische Fehlerquellen
Probenahme, Kontamination und Abnahmezeitpunkt können Messwerte verfälschen. Die Durchführung richtet sich nach dem validierten Verfahren und den Anweisungen des Messgeräteherstellers.
Der Ruhewert verdient besondere Aufmerksamkeit, weil mehrere Auswertungsmodelle ihren Bezugspunkt daraus ableiten. Er wird vor dem Aufwärmen abgenommen. Ein Wert nach intensivem Einfahren ist nicht automatisch erhöht, beschreibt aber einen anderen Zustand und taugt deshalb nicht mehr als Bezugspunkt für die ruhewertbezogenen Modelle.
Auch das Messgerät gehört zur Vergleichbarkeit. Unterschiedliche Systeme können systematisch abweichen5. Ein Gerätewechsel im laufenden Verlauf ist ein dokumentationspflichtiges Ereignis, kein Detail.
- Ruhewert vor dem Aufwärmen, nicht danach
- Probenahme nach validiertem Verfahren und Herstelleranweisung
- Abnahmezeitpunkt innerhalb der Stufe konstant halten
- Gerät, Teststreifencharge und Protokoll im Befund vermerken
- Tageszeit, Vorbelastung und Ernährungszustand notieren
Abbruchkriterien
Der Test endet regulär bei subjektiver Ausbelastung oder wenn die nächste Stufe nicht mehr vollständig absolviert werden kann. Daneben stehen Abbruchkriterien, die keine Ermessensfrage sind: auffällige Symptome, Kreislaufzeichen, Auffälligkeiten im begleitenden EKG bei sportmedizinischer Durchführung oder ausdrücklicher Wunsch der getesteten Person4.
Für die Auswertung ist wichtig, ob die letzte Stufe vollständig war. Eine abgebrochene Stufe ist kein gültiger Messpunkt im selben Sinn wie eine vollständige; sauber arbeitende Auswertungen führen die tatsächliche Stufendauer mit, statt sie zu unterstellen.
Nachbelastung: warum Erholungswerte den Unterschied machen
Viele Protokolle enden mit dem letzten Belastungswert. Damit fehlt eine Information, die einzelne Auswertungsverfahren zwingend brauchen: den Verlauf der Laktatelimination nach Belastungsende. Das Tangentenverfahren nach Stegmann, Kindermann und Schnabel setzt genau dort an und ist ohne Nachbelastungsmessungen schlicht nicht rechenbar3.
Wenn Nachbelastungswerte für ein Verfahren benötigt werden, sind dessen konkrete Messzeitpunkte und Bedingungen einzuhalten. Fehlende Erholungswerte lassen sich später nicht durch Software ersetzen.
Was im Protokoll nicht erhoben wurde, kann keine Software später berechnen. Das ist der eine Punkt, an dem ein Protokollentscheid endgültig ist.
Was in den Befund gehört
Für spätere Vergleiche sollten neben Schwellen und Zonen auch Rohwerte und Erhebungsbedingungen verfügbar bleiben.
- Protokoll: Einstiegsbelastung, Stufenhöhe, Stufendauer, Pausen
- Ergometrieart und Gerät, bei Laufband die Steigung
- Ruhewert und Zeitpunkt der Abnahme
- Verwendetes Auswertungsmodell samt Quelle
- Abbruchgrund und Vollständigkeit der letzten Stufe
- Erholungswerte mit Zeitabständen, falls erhoben
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Laktatstufentest?
Die reine Belastungszeit ergibt sich aus Stufenzahl und Stufendauer und liegt meist zwischen 20 und 40 Minuten. Dazu kommen Vorbereitung, Ruhewertabnahme, Aufwärmen und die Nachbelastungsmessungen. Für den Termin sind in der Praxis 60 bis 90 Minuten realistisch.
Drei oder fünf Minuten Stufendauer — was ist besser?
Die passende Dauer hängt vom Protokoll und der Fragestellung ab. Sie sollte für Verlaufsvergleiche möglichst gleich bleiben. Ein Wechsel muss dokumentiert und bei der Interpretation berücksichtigt werden.
Muss der Ruhewert vor dem Aufwärmen abgenommen werden?
Wenn ein Verfahren echtes Ruhelaktat als Referenz verlangt, muss der Ausgangswert unter den dafür vorgesehenen Ruhebedingungen erhoben werden. Nach Aufwärmen kann sich der Wert verändern; er ist nicht automatisch erhöht und nicht ohne Kennzeichnung als Ruhewert zu behandeln.
Wie viele Stufen braucht ein Test mindestens?
Die Anforderungen unterscheiden sich je Modell. Genügend Messpunkte im relevanten Belastungsbereich und eine plausible Kurve sind entscheidend. Eine pauschale Mindestzahl gilt nicht für alle Verfahren.
Warum sollte man nach dem Test weiter Laktat messen?
Weil manche Auswertungsverfahren die Erholungskurve brauchen. Das Tangentenverfahren nach Stegmann bestimmt die individuelle anaerobe Schwelle über einen Punkt auf der Eliminationskurve und ist ohne Nachbelastungswerte nicht rechenbar. Nachträglich lassen sich diese Werte nicht ergänzen.
Quellen
- 1
Bentley DJ, Newell J, Bishop D. Incremental exercise test design and analysis: implications for performance diagnostics in endurance athletes. Sports Medicine. 2007;37(7):575–586.
ÜbersichtsarbeitDOI 10.2165/00007256-200737070-00002PubMed 17595153
- 2
Stockhausen W, Grathwohl D, Bürklin C, Spranz P, Keul J. Stage duration and increase of work load in incremental testing on a cycle ergometer. European Journal of Applied Physiology and Occupational Physiology. 1997;76(4):295–301.
OriginalarbeitDOI 10.1007/s004210050251PubMed 9349642
- 3
Stegmann H, Kindermann W, Schnabel A. Lactate kinetics and individual anaerobic threshold. International Journal of Sports Medicine. 1981;2(3):160–165.
OriginalarbeitDOI 10.1055/s-2008-1034604PubMed 7333753
- 4
Fletcher GF, Ades PA, Kligfield P, Arena R, Balady GJ, Bittner VA, et al. Exercise standards for testing and training: a scientific statement from the American Heart Association. Circulation. 2013;128(8):873–934.
PositionspapierDOI 10.1161/CIR.0b013e31829b5b44PubMed 23877260
- 5
Tanner RK, Fuller KL, Ross ML. Evaluation of three portable blood lactate analysers: Lactate Pro, Lactate Scout and Lactate Plus. European Journal of Applied Physiology. 2010;109(3):551–559.
OriginalarbeitDOI 10.1007/s00421-010-1379-9PubMed 20145946
Fachliche Information zur Methodik der Leistungsdiagnostik. Kein medizinischer Rat und kein Ersatz für eine sportmedizinische Abklärung vor Belastungstests.
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